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Freitag, 23. April 2021

les savants d’al-Azhar

Wie Bobzin sich mit dem Koran auskennt, und doch nicht mit dem 1924er Gizeh-Druck, so kennt sich Franҫois Deroche mit frühen Hand­schriften aus, aber nicht mit der König-Fuʾād-Ausgabe.
In seiner Antritts­vorlesung am Collège de France sprach er von »les savants d’al-Azhar [qui] mirent au point l’édi­tion qui, à partir de 1923, s’est peu à peu imposée tant aux commu­nautés musul­manes qu’à ceux qui étudient le Coran selon une approche scien­tifique«.
Es ist nicht nur falsch, dass diese Aus­gabe sich in DEN musli­mischen Gemein­den durch­gesetzt habe ‒ in Wahr­heit setzte sich ihre Recht­schreibung (in leicht mo­di­fi­zier­ter Form) erst durch, nach­dem ʿUṯmān Ṭaha eine Fassung auf 604 Seiten hand­ge­schrie­ben hatte, und vor allem: NUR bei Arabern und Sala­fisten, sowie in Malaysia.
Es ist nicht nur falsch, dass sie seit 1923 existiere. Es war wohl erst 1925 fertig ge­bunden.
Vor allem aber hat die Ausgabe mit der Azhar so gut wie nichts zu tun. Der Text des Qurʾān und der des Nach­wortes, den nach­gestellten Infor­ma­tionen, stammt vom Chef­rezi­tator Ägyptens, nicht von Gelehr­ten (savants) der Azhar.

NB: Im Azhar-Muṣḥaf von 1976 wird "Azhar" nicht erwähnt, die Informatio­nen nach dem qurʾānischen Text sind von ʿAbd al-Ḥalīm Maḥmūd, von 1973 bis zu seinem Tod 1978 Šaiḫ al-Azhar, unter­zeichnet ‒ seine Funk­tion wird als bekannt vorausgesetzt.
Viele glauben, dass es "schon immer" die Azhar-Seite mit Gebühren­marken und Unter­schriften gab, die den Druck von maṣāḥif in Ägypten erlaubt hätten. Es gab aber Drucke ganz ohne Auto­ri­täten-Verweis oder einem auf das Innen­mini­ste­rium, oder auf den Chef­rezita­tor (mit oder ohne Hin­weis auf seine Funk­tion). 1376/1956 steht auf dem Muṣḥaf aš-Šamarlī: "Gedruckt mit Ge­nehmi­gung des Innen­ministe­rium, dem Šaiḫ­tum der Leser Ägyptens, und dem Šaiḫ­tum der Azhar ..."
1384/1964 wird nur auf die Azhar verwiesen, u.a. auf dem stell­vertreten­den Ober-Šaiḫ Maḥmūd Ḫalīl al-Ḥuṣarī.
Das Gesetz 103 von 1961 hatte "die Abteilung für For­schung und Ver­breitung" in der Azhar zuständig gemacht.
Seit 1985 überwacht die Azhar-Gruppe Islamische For­schung Koran-Ver­öffent­lichungen.
Bestätigt im Gesetz Nr. 57 am 26.10.1998.
2005 zeichnet wieder ‒ wie 1924 ‒ der Chef-Leser Ägyp­tens (damals Dr. Aḥmad ʿIṣā al-Maʿṣ­rāwī), doch jetzt als Organ der Azhar.
Nachtrag:
Auch Marco Schöller ("Koran" in C.H.Becks Kleines Islam-Lexikon. Geschichte - Alltag - Kultur) und Stefan Wild ("Basmala" in Rout­ledges Encyclo­pedia of Islamic Civili­sation and Religion) faseln vom Azhar-Koran. Das scheint zum guten Ton zu gehören.
Auch François Déroche, Le Coran, une histoire plurielle. Essai sur la formation du texte coranique. Seuil, coll. « Les livres du nouveau monde », 304 p., 23 € zeugt von einem Grund­problem, dem ich auf der Spur bin: von Experten, die über den Teller­rand hinaus schreiben ‒ nicht schauen (das ist ja nötig), sondern auch über Dinge schreiben, von denen sie nichts ver­stehen, wo sie also nach­plap­pern, oft Sachen, die sie gerade erst ge­lesen haben.
Wenn er über Pergament, Heft/ qahier/ quire, Schreib­stile/ Duktūs schreibt, ist er in seinem Element. Wenn er z.B. Asma Hilalis Bemer­kungen über den Sanaa Palimp­sest abkanzelt, weiß er, wovon er schreibt.
Doch sind seine Nebenher-Bemerkungen über Gizeh1924 schlicht falsch und seine Aus­führungen über "Korane" bei der Ver­marktung des Buches unnötig spekta­kulär, bewusst miss­verständ­lich.
[l]es savants d’al-Azhar qui réali­sèrent au début du XXe siècle l’édition du Caire ... était parfaitement claire : pour établir le texte, ils ont exclusive­ment fait appel à des traités relatifs aux différents aspects du Coran, en aucun cas aux manuscrits des débuts de l’islam.
la « vulgate » ... représente la « lecture » de Hafs (m. en 796) qui avait ... dans le passé connu un relatif succès, sans pour autant repousser les autres dans l’oubli. Cette version, soutenue par l’édition de son texte que j’évoquais plus haut, a connu depuis un succès con­sidérable et a eu tendance à éclip­ser les autres.
Nochmals: Es war der Chefrezitator, keine Azhar-Gelehrten, der die Regierungsausgabe schuf.
Es gibt keine «Lesart» Ḥafṣ, sondern nur seine «Überlieferung» der Lesart ʿĀṣim.
Seine Überlieferung ist schon seit 400 Jahren in Ägypten und ganz Asien domi­nant. Dass sie durch Gizeh1924 verbreitet worden sei, ist dummes ‒ zu­mindest komplett unbe­legtes ‒ Geschwätz.
Es ist auch nicht so, dass die anderen Überlieferungen nach 1923 (endlich) in Vergessen­heit geraten seien. Viel­mehr haben Ton-Auf­nahmen, Drucke, CDs, Fernseh­sendugen und Apps die anderen Über­liefe­rungen so stark ins Bewusst­sein der einfachen Gläubigen gebracht, wie sie es lange nicht gewesen waren.

Beim letzten Punkt geht es nicht um falsch <-> richtig, sondern um (un)ge­schickt gewählt. Zumindest bei der Ve­rmarktung des Buches klingt Deroche so, als habe es mehrere Korane gegeben. Schließ­lich sei es doch etwas ganz anderes, ob « le très puissant et le très savant » (‘azîz + hakîm) gesagt würde oder « le très audiant et l'omniscient » (samî’ + ‘alîm).
Ich habe mal geschrieben, dass es Mikro-Unter­schiede gebe, Unter­schiede auf Wort-Ebene, kaum je auf Satz-Ebene, nie auf Abschnitt-Ebene.
Aber der "Sehr-Gelehrte" und der "All-Wissende" ist doch nicht das Gleiche.
Sorry, es GEHT ÜBERHAUPT NICHT um das konkrete Ausge­drückte, es handelt sich AN DER STELLE um eine Formel, die den Abschnitt abschließt, eine Formal die immer heißt: "Gott ist x und y", so wie ehrwürdige Jungfrau, lobwürdige Jungfrau, mächtige Jungfrau, gütige Jungfrau, getreue Jungfrau für Maria AUSTAUSCHBAR sind.
Gewiss, Deroche weiß das, er ist im Buch auch vorsichtig genug, aber ich rieche Sensationslust, die sich wenig um die Empfindlichkeiten von Muslimen kümmert.

Montag, 4. Februar 2019

Quatsch von den Experten

Weil Bergsträßer, Neuwirth, Bobzin Qurʾān-Experten sind, müssen wir bei Ihnen beson­ders auf der Hut sein.
((Desgleichen bei Fran­ҫois Deroche)) Auch sie wissen nicht Alles ‒ und über ein Rand­gebiet, für das sie sich gar nicht inter­es­sie­ren, erst recht nicht.
Ich behaupte, Bergsträßer hat sich wohl gerade mal éine per­sische Litho­gra­phie ange­schaut und KEINEN maghre­bi­nischen Druck STUDIERT (und auch keinen indi­schen); sonst hätte er den Quatsch, den er ge­schrie­ben hat, nicht ge­schrieben.
Neuwirth und Bobzin könnten den 1924er nicht an­geschaut haben, bevor sie schrie­ben, was sie ge­schrie­ben haben.
Wie sonst machte die eine in den Fuß­noten falsche Angaben zum Titel?
Wie sonst, nennte der andere ihn „Azhar-Koran“, obwohl in dem langen Nach­wort zwar der König erwähnt wird und al-Ḥusainī al-Ḥaddād, der Oberste Leser Ägyptens, der ihn ge­schrie­ben hat? (im 1925er Nach­wort korri­giert: den Ursprung, die Vor­lage zum Setzen ge­schrie­ben hat)
Was berechtigt Bobzin, etwas was Berg­strä­ßer wieder und wieder „den amt­lichen (ägyp­ti­schen) Koran“ nennt, der sich selbst (in der Widmung) „al-muṣ­ḥaf al-karīm“ und (in den Erläute­rungen/at-taʿrīf) „al-muṣḥaf aš-šarīf“ nennt und im Text „Azhar“ nicht benutzt, „Azhar-Koran“ zu nennen?
Nix!
Bergsträßer, der ja wenige Jahre nach dem Druck mit dem Haupt-Her­aus­geber geredet hat, macht klar, dass ein Šaiḫ der Azhar-Univer­sität die Rich­tig­keit des ohne ihn ge­mach­ten Werkes nur be­stätigt hat.
Ich gehe so weit zu sagen, dass ein Azhar-Koran 1924 ein Ana­chro­nismus wäre.
Berg­sträßers Exemplar trägt den Präge­stempel ṭabʿat al-ḥukūma al-Miṣrīya sanat 1343 hiǧriyya
Der Druck wurde am 7.12. (ḏu l-ḥiǧǧa) 1342/10.7.1924 abge­schlos­sen.
Doch aufgepasst!
Die Behauptung, dass der Druck abge­schlossen worden sei, steht in dem Buch,
muss aber nach „Abschluss des Druckes“ ge­setzt und ge­druckt worden sein!
Wenn es keine Mystifi­ka­tion ist, dann muss man die Aussage so deuten:
Der Druck des qurʾāni­schen Textes selbst sei am 7.12.1342 abge­schlossen worden,
das ganze Werk inkl. der Wid­mung an den König, der ‒ hier wie auch sonst in der Zeit in Ägypten ‒ als „Fuʾād der Erste“ bezeichnet wird, obwohl es noch gar keinen „Zweiten“ gab und des­halb kor­rekter­weise schlicht „Fuʾād“ heißen muss, ganz so wie der ak­tuelle Papst „Franzis­kus“ heißt und das „I“ erst bekommt, sobald es einen „II“ gibt,
kann erst danach abge­schlossen worden sein.
Von der Bindung des Werkes ‒ Qurʾān, Widmung, taʿrif, ḫātima, Index und Druck­ver­merk, jedoch ohne Titelblatt, aber mit Präge­stempel ‒ abge­sehen!
Für die Ver­öffent­lichung gilt also nicht das im Druck­vermerk an­gegebene 1342, sondern das vom Präge­stempel: 1343, welches Anfang August 1924 begann, aber wohl erst 1925 geschah, denn das Binden brauchte damals Zeit; erst dann konnte das Werk erscheinen.
Der Text, der danach bloß noch tech­nisch umge­SETZT wurde, lag aber schon am 13.1.1919 fertig vor.
Dies bestätigte außer dem Schreiber selbst, besag­tem Ober-Rezitator, auch Ḥifnī Bey Nāṣif, ehe­maliger Leiter der Arabisch­abteilung im Erzie­hungs­minste­rium und zwei Pro­fessoren an der Pädago­gi­schen Hoch­schule an-Nāṣi­rīya ‒ direkt neben beim Ministe­rium: zwischen Garden City und as-Saiyida Zainab gelegen ‒, der Korek­tur­leser der Staats­drucke­rei und ein Azhar-Šaiḫ
‒ angeb­lich 1919, in Wirklich­keit aber erst 1924 (= nach dem Druck, vor dem Binden), eine Bestäti­gung der Rich­tig­keit der Vorlage für den Setzer reicht ja nicht, um den Käufern und Lesern die Rich­tig­keit des Druckes zu bestätigen.
Warum das fungierte Datum 10.4.1337 /13.1.1919?
Weil Ḥifnī Bey kurz danach gestorben war ‒ und aus dem Grab konnte er schlecht unter­schreiben.
ʿAbd an-Nāṣir hat die Azhar aber erst Jahr­zehnte später ver­staat­licht, sie ein biss­chen zu einer ägyptischen Diyanet İşleri Başkan­lığı gemacht. Erst dann konnte die Staats­drucke­rei den Staats­mufti und Chef der staat­lichen isla­mi­schen Univer­sität dazu bewegen, ihnen zu er­lauben, einen völli­gen Neu­druck des amtlichen Korans als „muṣḥaf al-Azhar aš-šarīf“ zu ver­markten.
Bobzins Behauptung, dass es nach 1924 eine Welle an Koran­drucken ge­geben habe, ist bloße Behauptung.
Doch wenn es sie ge­geben hat, hat sie sicher mehr mit Technik ‒ Offset ‒ zu tun, als damit, dass zum ersten Mal ein fester Text vor­ge­legen habe ‒ seine dritte falsche Behaup­tung in éinem Satz.
Es gab vor 1924 drei feste Texte:
den marokkanischen,
den indischen,
den osmanischen und
‒ weniger fest, d.h. mit einer kleinen Schwankungs­breite: ‒ den persischen.
(Und heute gibt es die drei festen, mehrere iranische und indonesische ‒ plus Kazan.)
Was 1924 geschah: Ägypten schrieb den marok­ka­ni­schen rasm statt den osmanischen,
über­nahm auch die marokka­ni­schen Zusatz­zeichen (plus Ver­besserung beim sukūn), die marok­ka­nische Dif­feren­zierung beim tanwīn, die marok­ka­nische Teilung eines ǧuz in zwei aḥzāb (statt in vier wie im osmani­schen Reich);
ver­zichtet ‒ wie Marokko ‒ auf nūn qutnī und Zeichen für bas­rische Zählung, sowie ihmal-Zeichen;
vergrößerte Wort- und Zeilen­abstand, benutzte weniger Ligaturen;
erhöhte ‒ wie einzig Reinhard Schulze feststellte ‒ die Les­bar­keit für die gemeinen Araber*in
und machte bei den Pausen­zeichen einen Kom­promiss zwischen Indien und Marokko.



Auch ich habe dem Experten blind geglaubt.
Bergsträßer schreibt:
„Quelle für diesen Konsonaten­text sind natürlich nicht Koran­hand­schrif­ten, sondern die Literatur über ihn; er ist also eine Rekon­struk­tion, das Ergebnis einer Um­schrei­bung des üb­lichen Kon­sonanten­textes in die alte Ortho­gra­phie nach den Angaben der Literatur.“
Das hat ihm der Chefherausgeber so weis­gemacht, und ich habe es geglaubt und schreibe das auch so in „Kein Standard“.
Stutzig wurde ich, als ich fest­stellte, dass 60 Jahre später in Medina und Tunis im Nachwort „meistens“ ein­gefügt wurde: Man hält sich meistens an Ibn Naǧāḥ, sonst an ad-Dānī.
Nirgends wird erklärt, nach welchen Kriterien, mal so, mal so.
Geht man der Sache auf den Grund, liegt Folgendes nahe:
Der Herausgeber haben den Text gar nicht ab ovo rekon­struiert, sondern hat den Text ‒ soweit Warš nicht von Ḥafṣ abweicht und die Stellen kennt der Ober-Rezitator aus­wendig ‒ aus Marokko (oder einer Kairiner Warš-Ausgabe) über­nommen ‒ sein rasm ist weder ad-Dānī (wie vorher bei Muḫallalātī und später in Lybien), weder 100% Ibn Naǧāḥ (wie behauptet), noch 100% al-Ḫarrāz (dessen Auswahl aus den beiden), auch nicht 100% der gemeine marok­ka­nische rasm, aber sehr nah dran: Es gibt nur gut hun­dert Stellen, an denen al-Ḥusainī al-Ḥaddād ein (normales) alif hat, wo in Marokko keines steht oder um­ge­kehrt.
Selbstverständlich anders sind die Stellen, an denen anders gelesen wird.

Merkwürdig ist, dass Brockett Berg­sträßers LOB, dass der Text nach ad-Dānī rekon­struiert sei, statt ihn einfach von jüngsten guten Vorgänger abzu­schreiben, als "criticism" bezeichnet (Brockett: Study p. 87). Es will mir nicht in den Schädel, dass Brockett, der viel von Berg­sträßer gelesen hat, ihn so miss­ver­stehen kann. Berg­sträßer und sein Schüler Pretzl hatten gerade ad-Dānī entdeckt und waren begeistert, dass auch muslimi­sche Gelehrte diesen hoch­hielten, behaup­teten, der ihnen bestens vertrauten Laut­gestalt dank Dānīs Muster­bögen wieder das alte Schrift­kleid gegeben zu haben ‒ auch wenn sie dieses ‒ wie ich vermute ‒, weitgehend maghre­binischen maṣāḥif ent­nommen hatten.

Samstag, 8. Dezember 2018

der 1924er, Gizeh

Der Gizeh-Koran
‒ ist kein Azhar-Koran
‒ hat keine Welle von Korandrucken ausgelöst,
    weil es endlich einen festen, autori­sier­ten Text gab
‒ wurde nicht umgehend der von Sunniten und Schi­ʿiten akzep­tier­te Koran
‒ trug nicht wesentlich zur Verbreitung der Lesung Ḥafṣ bei, er wurde weder 1923 noch am 10.7.1924 ver­öffent­licht.
Doch er vertrieb die grotten­schlechte Gustav-Flügel-Ausgabe aus deutschen Studier­stuben,
‒ hatte ein Nachwort namentlich genannter Her­aus­geber,
‒ gab darin seine Quellen an,
‒ übernahm ‒ außer der kufischen Zählung,
    und den Pausenzeichen, die auf östlichen Quellen fußten
    ‒ den maghrebinischen rasm (weit­gehend nach Abū Dāʾūd Ibn Naǧāḥ)
    ‒ die maghrebischen kleinen Ersatz­vokale zur Längung
    ‒ die maghrebischen Schreibung von führendem Alif/hamza+Vokal am Wortanfang mit einem Hamza-Zeichen auf oder unter dem Alif, während Asien auf das Alif nur ein Vokalzeichen setzt;
    ‒ die maghrebischen Schreibung von Alif-waṣl mit einem waṣl-Zeichen während in diesem fall in Asien nichts stehr, wodurch das Alif/hamza stumm ist
    (im Gizeh-Koran haben ḥurūf al-madd kein sukūn wie in Asien, außer sie sind Teil eines Diphtongs, nicht bloß längend)     ‒ die maghrebischen Unter­teilung der Dreißig­stel (jedoch ohne Achtel-ḥizb)
    ‒ die maghrebischen Grund­linien­hamzae vor Alif am Wortanfang (ءادم statt اٰدم).
    ‒ die maghrebischen Falsch­schreibung von /allāh/ als /allah/
    ‒ die maghrebische Schreibung am Suren­ende, die davon aus­geht, dass unmit­tel­bar danach die nächste Sure ge­spro­chen wird (und zwar ohne Bas­mala): tan­win wird dann tanmīm
    ‒ die maghrebischen Unter­scheidung in drei Sorten tanwin (über­einander, nach­einander, mit mīm)
    ‒ die maghrebischen Abwesenheit von nūn quṭni.
    ‒ die maghrebischen Nicht-Schreibung der Vokal­kürzung
    ‒ das maghrebisch (und indische) Herunter­ziehen des hmaza-Zeichens durch kasra

nach G24 zieht kasra das Hamza runter, während es im Osmanischen und Persischen oben bleibt.












    ‒ die maghrebische Schreibung der Assimilation
      während in Osm die Assimilation nicht notiert wird
(in den drei osmanischen Beispielen (Muḥ. ʾAmīn ar-Rušdī, Ḥasan Riḍā, Muṣṭafa Naẓīf Qadirġalī) bekommt der assimilierte Buchstaben ein Sukūn, in G24 wie in den Warš-Ausgaben darunter (Fez, Algiers) bekommt der assimierende Buchstabe ein šadda, der assimiiierte nichts.
Neu war die Differenzierung des maghre­bischen Sukūn in drei Zeichen:
‒ das ǧazm in Form eines ǧīms ohne Schwanz und ohne Punkt für Vokal­losig­keit,
‒ den Kreis für „immer zu über­lesend“,
‒ die Null für „hier zu über­lesend“.
‒ plus der Abwesenheit jedes Zeichen für Nicht-zu-Sprechend, da assimi­liert.
Ferner Wortabstand,
Grundlinienorientierung und
exakte Platzierung von Punkten und Strichen.
Offset brachte gegenüber Typendruck das Höher-Setzen von kasras:
Statt unter den Buchstaben sind sie unter dem Kernbuchstaben: auf Höhe der Unterlinien (م ) und Schwänzen (ح ع س ص ـهـ ل ي ).
Dazu wird ein Bürstenabzug der gesetzten Seite gemacht. Dann werden die kasras rausgeschnitten und etwas höher geklebt: so tief wie م oder in den Schwanz von ح ع .

Wenn wenn es vorher (etwa 1888 in Delhi) Drucke mit Nummern nach jedem Vers gab,
so hat er wohl zur Verbreitung dieser Praxis beigetragen.
Er war auch nicht der erste "inner­muslimi­sche Koran­druck".
Neuwirth mag sich mit dem Koran aus­kennen, von Koran­drucken hat sie null Ahnung,
denn seit 1830 gab es viele, seit 1875 sehr, sehr viel Koran­drucke von Muslimen
und schon an den sechs St.Peters­burger Drucken von 1787-98 waren Muslime stark beteiligt.
Ein Typendruck war es auch nicht, sondern ‒ wie alle außer Venedig, Ham­burg, Padua, Leip­zig, St.Peters­burg, Kazan, zweien in Tehrān (mit den gleichen Typen), zweien in Hooghli, zweien in Calcutta und einem in Kanpur ‒ Flach­druck, wenn auch nicht mehr mit Stein­platte, son­dern Metall­platte.
Es war auch nicht der erste, der von sich sagte, „den rasm al-ʿUṯmānī“ wiederzugeben.
Zwei Titelseiten von Lucknow-Drucken von 1870 und 1877.







1895 erschien in Būlāq ein Koran im ʿuṯmāni­schen rasm, was viel­leicht „un­voka­li­siert“ bedeu­tete. Kitāb Tāj at-tafāsīr li-kalām al-malik al-kabīr taʼlīf Muḥammad ʿUṯmān ibn as-Saiyid Muḥammad Abī Bakr ibn as-Saiyid ʻAbd­Allāh al-Mīrġanī al-Maḥ­ǧūb al-Makkī. Wa-bi-hāmi­šihi al-Qurʼān al-Maǧīd mar­sūman bi’r-rasm al-ʿUṯmānī.
Bis auf die Folge Iso­Ham­za+Alif, die 1890 und 1924 aus dem Maghreb über­nom­men wurde (alif+madda ging ja nicht, da madda zur Längung schon ver­geben war) ist hier schon alles so wie 1924.

Der Text der KFA ist übrigens keine Re­kon­struk­tion, was Berg­sträßer Muḥam­mad ibn ʿAlī ibn Ḫalaf al-Ḥusai­nī al-Mālikī aṣ-Ṣaʿīdī al-Ḥad­dād ein­fach geglaubt hat: Er folgt nicht genau Abū Dāʾūd Su­lai­man Ibn Na­ǧāḥ al-An­da­lu­sī (gest. 496/1103) und auch nicht Abu ʿAbd­allah Mu­ḥammad ibn Mu­ḥam­mad al-Ḫarrāz (gest. 718/1318), son­dern (außer an etwa 100 Stellen) den gängi­gen Warš-Aus­gaben.
Auch die Übernahme vieler marok­ka­ni­scher Besonder­heiten (siehe oben), die teils 1952 revi­diert wurden, plus dem Fallen-Lassen von asia­ti­schen Zeichen ‒ plus der Tat­sache, dass das Nach­wort zu Beidem schweigt ‒ ist ein klares Zeichen dafür, dass al-Ḥusainī al-Ḥaddād al-Mālikī eine Warš-Ausgabe adaptierte
‒ d.h. deren Schreibung (ent-waršet) übernahm, nicht ihr layout.
Alle ägyptischen Leser kannten die Lesungen Warš und Qālun. Als Malikī kannte al-Ḥusainī al-Ḥaddād vermutlich Warš-Ausgaben noch besser als die meisten.
Es gab den angeblich 1924 etablier­ten Text nicht nur im Magh­reb und in Kairi­ner Warš-Drucken, sondern auch schon in Būlāq gesetzt im Jahr­hun­dert davor.

Nun zum Erscheinungsdatum.
Man findet 1919, 1923, 1924 und 1926 in Bibliotheken und bei Gelehrten.
Nach heutigen bibliotheka­rischen Regeln gilt 1924, weil das steht im Erstdruck
Es stimmt aber nicht. Es steht nämlich in dem Werke selbst, dass sein Druck am 10.7.1924 abge­schlos­sen worden sei. Das kann aber nur bedeuten, dass an diesem Tag der Druck des qur­ʾāni­sche Textes abge­schlos­sen worden war. Die Wid­mung für den König, die Nach­richt über den Ab­schluss des Druckes kann erst danach ge­setzt worden sein; sie und das gesamte Nach­wort wurden erst danach ge­druckt, und das Werk ‒ ohne Titel­seite, ohne Gebet zum Ab­schluss ‒ wurde erst danach ‒ wohl wieder in Būlāq, wo schon gesetzt und mon­tiert worden war ‒ gebunden ‒ und das war erst 1925, es sei denn man hat erst­mal zehn Exemplare ge­bunden und die dann "ver­öffent­licht", was nicht wahrscheinlich ist.
Weil in Wikipedia Fuʾāds Königs­mono­gramm als das seines Sohnes ausgegeben wird, hier seins (wenn auch völlig belang­los):

Afrika vs. Asien (Maġrib oder IPak)

Es gibt viele verschiedene Arten, den Koran zu schreiben. Man kann sie in zwei Grup­pen einteilen: Afrika, Andalusien, (seit 1924 bzw. 198...