das Buch: Kein Standard

Die König-Fuʾād-Ausgabe wird immer wieder als die Standard­ausgabe des Korans bezeichnet. Dies ist falsch, nicht nur weil es zwanzig Über­lieferungen (riwāyāt) kano­ni­scher Lesungen (qirāʾāt) – in hunderten gut belegten Lese­tra­di­tionen (ṭuruq), tau­senden Varianten (wuǧuh) – plus vier etwas weniger kano­nische Lesungen gibt. Selbst von der vor­herr­schenden Über­lieferung Ḥafṣ (ʿan Āṣim) gibt es den éinen Standard­druck nicht. Ich gehe für die Zeit des Koran­drucks von vier bis zehn Schreib­weisen aus.1 Von einem Standard sprechen wir, wenn eine Variante die übrigen ver­drängt (quantita­tiver Standard), wenn eine Variante den ande­ren weit über­legen ist (qualita­ti­ver Standard) oder wenn mit ihr revolu­tionäre Neue­rungen ver­bunden sind, die Alle anzu­er­ken­nen ge­zwun­gen sind (norma­tiver Standard). Die König-Fuʾād-Aus­gabe er­füllt keine dieser Bedingungen. Wie kam es zu der Fehl­ein­schätzung? Die Ausgabe hatte ein­fluss­reiche Pro­pagan­disten: Gott­helf Berg­sträßer sang 1932 ihr Lob­lied; Jeffrey, Pretzl u.a. bezeichne­ten sie als Stan­dard­ausgabe; Spätere schrieben ihr alles Mögliche zu (die erste musli­mische Druck­ausgabe zu sein, Ḥafṣ durch­ge­setzt zu haben, ein Typen­druck zu sein usw.).
1930 arbeiten deutschen Orienta­listen mit der völlig unzu­reichen­den Flügel-Ausgabe, die weder einer bestimm­ten Lesung folgt2, noch éine Hand­schrift (plus Korrek­turen aus anderen) wieder­gibt, die auch keine Rechenschaft über ihre Kom­posi­tion ablegt; Text und Vers­zählung sind will­kürlich. Die König-Fuʾād-Aus­gabe war besser, auch besser als ältere Ausgaben, nach osma­ni­schen Muster (hier die Fatiḥa eines Būlāqer Typen­drucks 1299/1882).
Dass im ausführ­lichen Nach­wort die Richt­linien der Ausgabe sowie die Namen der Her­aus­geber ge­nannt wur­den, gab es vorher nur bei Muḫal­lalātī. (s.u.) „Quelle für den Kon­so­nan­ten­text sind … nicht Koran­hand­schriften, sondern die Litera­tur über ihn; er ist also eine Rekon­struk­tion, das Ergeb­nis einer Um­schrei­bung [des bekannten Textes] in die alte Ortho­graphie“ – so Berg​sträßer.
Der Heraus​geber war kein Kalli­graph sondern Ägyp­tens oberster Koran­leser; er zog bekannte Werke zu Schrei­bung, Punk­tierung und Voka​li­sie​rung heran; die Glie­de­rung in ǧuz und ḥizb sowie die maġ­rebi­nische Schrei­bung der Lang­vokale über­nahm er von al-Muḫal­lalā­tī, die Pausen­zeichen schuf er selbst.
Neuwirth schreibt: der „ver­schrift­lichte[] Koran­kodex, muṣḥaf, [wurde] durch … Über­liefe​rung durch die Jahr­hunderte weiter­tradiert …, um schließ­lich im letzten Jahr​hundert, im Jahre 1925, in die Form eines ge­druckten Textes einzu­gehen."
Während die Laut­ge­stalt wohl durch die Jahr­hunder­te von Lehrer zu Schüler weiter­ge​reicht wurde, geschah das (in Ägypten) nicht mit dem Kodex. Die KFA basiert angeb­lich weder auf alten, noch auf jungen Manu­skrip­ten, sondern auf dem aus­wendig gewussten Text und Werken anda​lusi­scher Gelehrter. Oder schlicht auf marok­ka­nischen Ausgaben ohne die Warš-Eigen­heiten.

Das Nach­wort erwähnt die Quellem für Voka­lisie​rung, Vers​zählung, die litur­gi­schen Ab­schnitte, der Angaben ob mekka​nisch oder medinen​sisch (und all­ge­mein der Chrono​lo­gie der Offen​barung), den Pausen und den Nieder­wer­fungen, wobei bei Verzählung und Ab­schnitten auf Abū ʿĪd Riḍwān al-Muḫal­lalātī ver­wiesen wird, bei den Pausen auf Muḥammad b. ʿAlī b. Ḫalaf al-Ḥusainī, also auf den Her­aus​geber.
Schließlich werden die Zeichen erklärt:
Kreis für Buch­staben, die immer zu ignorieren sind, Oval = nur in Pause zu sprechen, Klein-ḥa/ḫa/ǧīm ohne Punkt und Schwanz für ǧazm/Sukūn
und vor allem, wann das ǧazm-Zeichen weg­gelas­sen wird, wann auf den nächsten Buch­staben ein Šadda kommt, also wie (Halb-)Assi­mi​l­ation markiert wird.
Hierbei folgt Kairo1924 100% der Praxis Marokkos, ohne eine Auto­rität oder eben die ein­ge­führte Praxis des Westens zu erwähnen.
Desgleichen beim tan­wīn: es gibt außer dem nor­malen tanwīn (bei izḥār) ein sequen​tiell versetztes (bei idġām und iḫfāʾ) ein inqilāb tamwīm vor bāʾ: alles 100% wie in Fāz (ohne jede Erkärung der Herkunft).
Auch der nächste Punkt ist ein Switch/ein Wechsel von der indi­schen/persi­schen/os­ma­ni­schen Praxis zur andalu​sisch/maġ­ri​binisch/afri​kanischen: Während Indien außer sukūn und den drei (kurzen,normalen) Vokal​zeichen (fatḥa, kasra, ḍamma) auch noch drei lange Vokal​zeichen ( خڑی زبر ḫarī zabar /ā/ stehen­des fatḥa, ulta zēr /ī/ gedrehtes kasra, ulta peš /ū/ gedrehtes ḍamma) hat, hat Marokko und hat die KFA nur drei (Kurz-)Vokal­zeichen, die durch ḥurūf al-madd (alif, wau, yāʾ) gelängt werden. Kommt kein solcher Vokal-Buch­stabe im rasm, wird ein Klein-Buch­stabe einge​fügt. Wie die ver​schie​denen tan­wīns wird dies im Anhang (auf Seiten ك ى ) erklärt, aber nicht gesagt, wem man darin folgt. Es ist schlicht die Sicht der arabi​schen Gram​ma­tiker, die von ḥaraka und ḥarf al-madd sprechen, einer Praxis, die der Maġrib immer befolgt hat, Indien aber (unter Einfluß der Mātrā-Schrei­bung in Sans­krit ?) auf​gab. Hier wie meist folgt al-Ḥaddād einem Fāz-Druck.
Die KFA geht soweit, /ʾallah/ statt /ʾallāh/ zu schreiben, auch hier Marokko folgend.
Es gibt maġribini​sche Mäglich​kei​ten /allāh/ zu schre​ben, der Mġrib tut es aber nicht. Und al-Ḥaddād schreibt es auch falsch.
Die KFA ist ein ḥafṣier​ter Fāz-Druck mit zwei Aus​nahmen: das Sukūn wird in drei Zeichen differen​ziert (siehe oben) und den drei Punkte bei alif-waṣl die zeigen, mit welchem Vokal einzu​setzen ist, wenn doch hier zu lesen ange­fangen wird – diese feine Sache über­nimmt er nicht, das tut erst der Muṣḥaf Wāṯiq​ullāh Brunais, der die drei Punkte (in grün) dem Schrift­zug von ʿUṯmān Ṭaha hinzufügt.
Außer bei der Lesung (Ḥafṣ), der Vers​zähung (Kūfī), den Pausen (Saǧawandī, zusammen​ge​strichen von al-Ḥaddād), der ḥizb-Ein​teilung (nach al-Muḫallalātī) folgt KFA in allem Marroko, beim rasm halb ein​gestanden (nämlich angeb​lich nach Abū Dāʾūd Ibn Naǧāḥ, was aber nicht 100% stimmt) und in vielen Einzel​hei​ten ohne es zu sagen, was für mich ein Indiz dafür ist, dass al-Ḥaddād schlicht abge​schrieben hat ‒ etwa ءادم statt اٰدم , die Anahme, dass am Ende der Sure gleich die nächste rezi​tiert wird, dass es weder nūn quṭni noch izḥār nūn gibt, dass die Kürzung von Vokalen vor Doppel​kon­sonanz be​wusst nicht notiert wird, dass kasra das Hamza-Zeichen (anders als in Istanbul) nach unten zieht, dass Assimi­lation sorg​fältig notiert wird.
Einige Eigen­heiten der KFA gehen wohl auf Hifn Bey Naṣīf zurück, der wollte, dass Schüler an staat­lichen Schulen (und nicht nur solche von islamischen) damit zurecht kommen:
Wortabstand, klare Grund­line (sprich keine Stapel­ligaturen, keine Knud​del­mīm – etwa unter lām) und vor allem die Platzie­rung von Vokal­zeichen (und šadda und madda) genau über oder unterm dem Buch­staben, zu dem es gehört.
Man hält sich heute beim Buch­staben­gerüst in Libyen, Indo­nesien und Iran eher an Abū ʿAmr ʿUṯmān ibn Saʿīd ad-Dānī (gest. 444/1053), während Marok­kaner und Ägypter seinem Schüler Abū Dāʾūd Sulaiman Ibn Naǧāḥ al-Andalusī (gest. 496/ 1103) oder Abu ʿAbd­allah Muḥ. ibn Muḥammad al-Ḫarrāz (gest. 718/1318) folgen. Als Standard taugt die Ausgabe nicht, weil sie Fehler hatte (der wichtig­ste in den Augen der Her­aus­geber der neuen KFA von 1952 düfte كلمة für كليمت an 7:137 sein.
Für das KFC in Madina ist der wichtigst Fehler wohl falschen fatḥatan. Statt die beiden ver­schobe­nen fatḥas von innen nach außen (bei von rechts nach links) zu setzen, haben die Drucker einfach das (korrekte) kasratan (das von innen nach außen ge­setzt ist) nach oben ver­scho­ben, wo es komplett falsch ist.)

Während der Zweit­druck des großen KFA (19 x 27 cm) (bis auf den Präge­stempel) un­ver­ändert ist, weisen die alle kfas (10,6 x 16,7 cm) Korrek­turen, Ände­rungen auf:
zuerst wurden den Namen und Funk­tionen der Unter­zeichner auf den Seiten س und ف durch Unter­schrif­ten und Siegel ergänzt und auf Seite ف, der خاتمة, wurde das Wort "ʾaṣl" er­gänzt (siehe unten);
später wurde auf Seite س zusätz­lich das Zei​chen س/sakta erklärt.
Noch später gab es die ein­zige Ver­ände​rung im Text: 73:20 wurde /allan/ ان لن ge­schrie­ben statt الن .
ًschließ­lich wurde auf Seite ا neben dem König auch der Thron­folger er­wähnt.3

1952 erschien ein „Zweit­druck“ (in Wirklich­keit eine Neu­Edition mit fast tau­send Ände­rungen): Einige Kor­rek­turen (etwa das Berück­sich­tigen der Basmala beim Suren­über­gang) waren nam­haft gemacht4, aber von „mehr als acht­hundert“ Ände­rungen der Pau­sen­zei­chen war nur pauschal die Rede; in den Suren­titel­boxen sind die An­gaben zur Chronolgie der Offen­barung getilgt, wohl wegen der Uneinig­keit darüber.
Es fällt auf, dass der Schrift­zug keine Lücken auf­weist, wie sie früher zu sehen sind, seien sie in Leiden, Leipzig, St. Peters­burg, Kazan oder Būlāq gesetzt. Dies wurde nicht nur von Theo­dor Adel Khoury und Alan Adrian Brockett, sondern auch von Zeit­genossen miss­deutet: Sie glaubten eine Hand­schrift vor sich zu haben. Um diesem Miss­verständ­nis keinen Vorschub zu leisten, wurde 1925 ﻮﻫو الذى كتب بخطِه im Nachwort zu وهو الدى كتب أصل بخطِه : Muḥammad ibn ʿAlī ibn Ḫalaf al-Ḥusainī al-Ḥaddād al-Ǧirǧāwī aṣ-Ṣaʿīdī al-Malikī (1282/1865-19. Dhū l-Hiddscha 1357 / 9. Februar 1939 schrieb nicht die Druck­vorlage, sondern nur die Vor­lage, nach der gesetzt wurde – gedruckt wurde nicht nach dem Hoch­druck­verfahren in Būlāq, sondern im Grund­buchamt, Gizeh mit Offset-Druck­platten. Fugen gab es keine, weil niegel­nagel­neue Typen ver­wendet wurden. Für die Druck­platten kamen Vokal- und Pausen­zeichen, šadda, madda, Ersat­zalif, tanwīn hinzu; vor Anfangs-Kāf, nach Wau, Raʾ/Zai wurde manch​mal der Abstand ver­mindert.
Um einen Typen­druck 5 kann es sich schon des­halb nicht handeln, weil kasra im End-ǧīm sitzt und kleine sīn über- und unter­gesetzt wurden. Es war ein zwei­stufiges Ver­fahren: Typen­satz, Offset­druck.
Tom Milo 6 hätte es gern höfisch osmanisch, ohne Streck­strich zwi­schen lām und yāʾ (oder nūn). Doch G24 folgt dem Geist der Zeit: Wort­abstand, Grund­linie und ein​deutige Lese­richtung: Was zuerst zu sprechen ist, muss rechts stehen;
nicht weil es tech​nisch schwierig wäre, für l-lāʾī ein Stapel­monster zu schaffen, sondern weil es unüber­sicht­lich ist, wählen sie die ge­streck­te Variante. Nach der Rus­si­schen Re­vo­lu­tion suchten nicht nur Turk­völker nach ein­fachen Schrif­ten, für Ge­or­gisch und Hebrä­isch wurden Groß- und Klein­buch­staben dis­ku­tiert. Etwas später lobte die Kai­riner Aka­de­mie für die arabi­sche Sprache einen Preis für eine Schrift­reform aus. Die Her­aus­geber ver­zichte­ten nicht nur auf Ligaturen aus dem Setzkasten der Amīrīya
son­dern auch auf die ṣād-ḥāʾ-Ligatur, obwohl sie breit genug war, beide Vokal­zeichen zu plat­zieren (nāṣib von links: KFA, Setzkasten, UT1, UT2). Wer an den alten Buch­staben fest­hielt, wollte es wenigstens linear, mit klarer Reihenfolge.
Bergsträßers Überschwang beruhte nicht nur auf der Ausgabe, die er kannte (der Flügel’schen), sondern auch darauf, dass er viele nicht kannte: Während französi­sche Orientalisten maghre​binische Drucke und britische indische kannten und schätzten, kon­zentrierten sich deutsche auf das osma­ni­sche Reich und Persien, wo es keine Stan​dards gab, die es mit dem indischen und dem maghre­bi­nischen hätten auf­nehmen können, gefestig­te Aus­gaben, die – anders als die osma­nischen und persischen – an der defek­tiven Ortho­graphie fest­hielten. Weil Bergsträßer magh­rebi­nische nicht kannte, schreibt er vom Ein­fluss der KFA und seiner Heraus­geber auf den Maghreb (a.a.O. p. 32, 35), wo es doch umgekehrt ist: die KFA folgt Mag – nur Waṣl-Dif­ferenzierung bleibt weg und beim Sukūn, das bei Mag sowohl für Stumm­heit wie Vokal­losigkeit steht, differenziert sie durch Über­nahme des indischen Ǧazm-Zeichen (◌ۡ ) für Vokal­losigkeit. Vermut­lich kannte er éine persische Litho­graphie, aber er kanzelte die „gewöhn­lichen orienta­lischen Koran­ausgaben“ ab (a.a.O. p.32). Hätte er indische studiert, hätte er so nicht geschrieben. Er kannte wohl weder den Būlāqer Druck von 1313/ 1895 (s. S. 112), noch die von ʿAbdal­ḫāliq Ḥaqqī Ibn al-Ḫoǧa geschriebene Kairiner Litho­graphie von Abū ʿĪd Riḍwān ibn Muḥammad ibn Sulaimān al-Muḫal​la​lātī (1250-1311h) 1308/1890 des Verlegers Muḥ Abū Zaid.
Ich vergleiche den Anfang von Sūrat al-Baqara (nach der Schmuckseite) aus einem Manu​skript von Köçük Hafız Osman Kaiyş­zāde Nūrī Budurlu, aus einem maghrebinischen Druck, aus dem von 1890 und dem von 1924. Nicht der 1924er fällt heraus, sondern der osma​nische. al-Muḫalla​lātī hat nicht nur mehr Ersatz­alifs als HOQzNB, sondern auch Hamza VOR Alif (auch zwischen Lām und Alif).
Den von Bergsträßer für 1924 ange­nom­menen Bruch gab es nicht oder er fand 35 Jahre früher statt. Dass die amt­liche Aus­gabe die ande­ren nicht ver­drängen konnte, lag auch daran, dass die Staats­druckerei Amīrīya nicht sub­ventioniert war; da sie nur 12 Zeilen pro Seite unter​brachte, nicht 15 wie üblich, kon­kur­rier­ten 827 mit 522 Seiten.
Viele Leser bevor­zugten die alten Ausgaben. Für Neo­phy­ten, die in Staats​schulen Schrei­ben gelernt hatten, mit Zei­tungen ver​traut waren, aber nicht mit Koran­aus­gaben, hatte der neue Druck zwei Vor­teile:
die Schrei­bung auf der Grund​linie mit wenig Ligaturen und die Kenn­zeichnung der Anfangsalifs mit waṣl- oder hamz-Zeichen. Für Ältere, die in „Koran­schulen“ gelernt hatten, war beides unge­wohnt. Musta­fa Kemal schaffte 1923 den Šaiḫul-Islām ab, ’29 die ara­bische Schrift. Ob ein türki­scher Koran rezitiert würde, der arabische in „türki­sche“ (lateinische) Lettern gesetzt würde, war lange unklar. Sieger wurden türkische Inhalts-Angabe (meâl – nicht tefsîr, nicht terceme) und von Türken nach einheit­lichem Standard geschrie­benen arabi­scher Kurân. In Arabien, Persien und Indo­nesien blieb Muṣ­ṭafā Naẓīf Qadir­ġali (قديرغه‌لی Kadırğalı 1846–1913) beliebt, sein 1308/1890 auf 522 Seiten ge­schriebe­ner muṣḥaf wurde in Kairo, Tehran und Bairut (in der Ortho​graphie der König-Fuʾād-Aus­gabe mit Abū Bakr as-Siǧistānīs Wort­er­klärungen an den Rändern) nach­ge­druckt; Muṣṭafā al-Bābī al-Ḥalabī hatte dies schon zu Qadir​ġalis Leb­zeiten getan, 1944 kam Aḥmad aš-Šamarlī hinzu. Als immer mehr Ver­leger und auch das Innen​mi­niste­rium diesen muṣ­ḥaf kopierten, beauf­tragte aš-Šamarlī Muḥam­mad Saʿd Ibrāhīm al-Ḥaddād (1919–2011) Qadir­ġalis muṣ­ḥaf zeilen­getreu nach­zu​schreiben; es gab Aus­gaben in allen Größen und Gestalten. Sie er­ober­ten Land und Schulen. Andere ver­pflich­te­ten al-Ḥad­dād zu einer ähn­lichen Fassung. 2000 brachte Kuwait (Ministe­rium für Stif­tungen und Is­la­mi­sche An​gelegen­heiten) eine 662seiti​ge Fas​sung mit 13 Zeilen je Seite her­aus; UT1 (erste ʿUṯmān Ṭāhā, dazu gleich mehr) bekam ein um drei Seiten er­wie­ter­tes Nach­wort Muʾas​sasat al-ʿIlmīya und der Istan­buler Verlag Çaġri über​nahmen dies, die Kuwai​ter fass­ten die Er­gän­zungen auf einer Seite zusam­men.12 7
Muṣṭafā Naẓīf Qadir­ġali schrieb nicht nur die 522 seitige Vorlage für al-Ḥaddād; 1960 veröffentlichten in Damaskus Dār al-Fikr und al-Muʾassasat al-ʿIlmīya eine ber­kenar-Fassung auf 486 Seiten farb­be­drucktem Glanzpapier – an Q52 angepasst und mit dem am Licht­tisch neu umbrochenen Kairiner Nach­wort. Im gleichen Jahr wurde in Deutsch­land in 604sei­tiger zweifarbiggedruckt, dessen Stam­buler Original in Indo­nesien öfters nur schwarz. Die zweiten Auflage 1969/ 70 erscheint bei Dār Iqti­ṣādiyāt in Köln-Deutz mit wat­tier­tem Plastik­einband, auf billigem Papier, mit neuem Rahmen, dem Damas­zener Nachwort mit Angabe des Kalli­graphen, die in Damas­kus fehlte, in Köln-Deutz. 13 8 ; in Kairo gab es 1981 von ʿAbd Mursi und 1986 im Dār al-Maʿārif Nachdrucke (mit unterschied​lichen farbigen Rahmen).
Auf einem Gebiet konnte sich der amtliche Koran be­haupten: Umgab ein ausführlicher Kommentar den Koran­text, waren mehr Seiten willkommen; noch 1983 erschien in Beirut Ibn Ǧuzais Kommentar. Waren 604 Seiten zu wenig, aber 850 zu viel, nahm man den muṣḥaf der Amīrīya und ver­größer​te den Rahmen, dass er 15 Zeilen Platz bot: 1984 erschien im Dār al-Fikr ein zeilen­iden­ti­scher Nach­druck mit 669 Seiten Koran und dem Tafsīr al-Ǧalālain drum​herum (plus Seiten davor und danach). Andere Erläu­te­rungen waren um diverse von al-Ḥaddād geschriebene maṣāḥif ange­ordnet.
1352/1934 erschien in Kabul ein ge­setzter Druck mit elf Zeilen pro Seite und groß­zügigem Rand. Bei Surat al-ʿalaq fällt auf, dass insān wie bei indischen, persischen und osmani­schen Drucken und im libyschen muṣ­ḥaf ad-Dānī mit normalem alif geschrieben wird. Diesen Qurʾān Maǧīd wird nirgends erwähnt. Mindestens seit 1873 gab es in Kabul Litho­graphien, 9unter Imān​ullāh Ḫān auch Typen​druck. Ich vermute, dass er die Maschinen beschaffen ließ, auch wenn er vor Fertig­stellung mit Unter­stützung der Briten gestürzt wurde; so fehlte die Reform​atmosphäre, in der dieser muṣḥaf Furore gemacht hätte. An diesen Zeilen sieht man, dass gesetzt wude, die flexible Platzie­rung geht je​doch nur in Offset.
Außer konsequent ver​bessertem allāh, rukūʿ-Zeichen am Rande und größerem Abstand von kasra gibt es auf den ersten Seiten von Hyder​abad’38 (rechts) nur zwei Unterschiede zu Gizeh’24 (hier ein lybischer vs. einem jor­dani​schen Nach​druck): fī (2:19 mehr Platz fürs madda) und kullamā (2:25). Der ḏāʾ-Punkt ist klein, sitzt höher und weiter rechts als in Kairo. Schließ­lich fallen vier Lücken zwischen Buch­staben auf: ich vermute eine zähere Druck​farbe. Das makel​lose Bild der Gizeh-Druckes liegt daran, dass neue Typen, deren Ränder noch nicht abge­brochen waren, zum Einsatz kamen.
Muṣḥaf al-Azhar aš-Šarīf, Kairo: Al-Haiʾa al-ʿĀmma li-Šuʾūn al-Maṭābiʿ al- Amīrīya 1977 (dritte Zeile, drittes Wort الن ) mit dem Text 1952, Nachwort kaum ver​ändert.
Außer Angaben zu Gelehrten, die die Richtigkeit der jeweiligen Ausgabe bestätigen, gab es etwa 1957 und 1968 nichts Neues. Da nur Orien­talisten die fast 900 Seiten dicken Ausgaben kaufen, weil sie selbst als Paperback viel teurer sind als die 522 Seiten von Šamarlī, ent­scheidet sich die jetzt zum Indu­strie­ministerium gehören​de Drucke​rei in den 70ern, einen Neusatz mit 15 Zeilen je Seite (525Seiten) im Offset-Ver​fahren in allen üblichen Größen und Einbänden her­aus­zubringen.
Da es in den 1970/80ern viele Offset-Drucker dienst­voll ist, gab es dutzende neuer Ausgaben, oft mit 14 oder 15 Zeilen pro Seite. 1976 erschien ein Muṣḥaf al-Azhar aš-Šarīf mit 15 Zeilen auf 525 Seiten in diversen Größen mit noch weniger Liga­turen als in der König-Fuʾād-Ausgabe; in Palästina war es die bestverkaufte Ausgabe; erst UT1 (s.u.) ent­trohnte sie.
al-Qaḏḏāfīs Islamic Call Society ließ von Dār al-Kitāb al-Lubnānī die 1938er Ausgabe von M.Pick­thalls Über­setzung mit G24 zeilenidentisch nachdrucken. Damals war in Hyderabad der Text inklusive rukūʿ-Angaben und kor​rigiertem ʾallāh statt allah, wie wenigen Änderungen bei Breit­formen (nūn, kāf, sīn) und geschwungen Formen (mīm, rāʾ, zai) neu gesetzt worden. Anders als in Gizeh wurden Kasra-Zeichen nicht höher gehoben als der tiefe Schwanz von م, ح, und ع. Nach diesem Muster gab und das Herausbringen von Gottes Wort ver­verlegt und in Bairut gedruckt. Eine arabische Ausgabe der Islamic Call Society (Beirut 1987) ist dagegen ein Nachdruck der Kairiner Ausgabe.
1977 wiederholte sich Geschichte. So wie al-Ḥaddād eine osmanische Vorlage in neuer Ortho­graphie nachgeschrieben hatte, so hat der syrische Kalligraph ʿUṯmān Ṭāhā einen 604seitigen osmanischen muṣḥaf seitentreu (meist zeilentreu) in Ortho­graphie und Stil der 1952er Amīrīya-Ausgabe kopiert; jeder Vers endet auf der Seite, auf der er beginnt, und die ersten 29 Teile nehmen je 20 Seiten ein;15 10 die Schrift ist einfach und grund­linienorientiert. Obwohl dieser muṣḥaf kleine Fehler 16 11 aufweist, bekam er in Syrien, Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Irān Richtigkeits­erklärungen. Mehrere Damas­zener Verlage druckten ihn mitsamt der Fehler nach; der Istanbuler Verlag Çağri bringt ihn zusammen mit diversen Über​setzungen immer noch heraus – ich nenne sie UT0. 1983/4 erscheint er mit nur noch vier Fehlern in Tehran, ein Jahr später in Medina mit éinem der Fehler, ab der dritten Auf­lage fehlerfrei: UT1. Diese wird in tausend Gestalten her­gestellt. Den Text der ersten zwei Seiten gibt es als Kreis, Raute und Quadrat, ansonsten sind Über​schriften17 12 , Basmala, Bordüre, Rosetten für hizb, Hälfte, Viertel, Achtel, sowie Kusto​den und Hin- weise über rukūʿ am Rande, Titelbild, Nachwort und Einband – all die Teile, die nicht zur Offe­barung gehören – unterschiedlich. Ferner gibt es Umgestalnung der Aussprache am bekanntesten sind. Dazu kommen Veränderungen, um andere Lesungen darzustellen. So entstehen seiten­identische Ausgaben von Warš (sowohl nach al-ʾAzraq, wie ʾIṣbahānī), Qālūn, ad-Dūrī, Abū Bakr Šuʿba, as-Sūsī, Ḫalaf und Ḫallād; Ibn Kaṯīr, Kisāʾī und Ibn ʿĀmir jeweils mit beiden anerkannten Übermittlern in einem Band – manche halten dabei die kufische Zählung des Originals bei, andere folgen etwa bei Warš einer medinensischen Zählung. Diese Umgestaltungen erfolgen in Bildbearbeitungs­programmen; es werden die Druckvorlagen Seite für Seite nach den jeweiligen Regeln bearbeitet – die Ergebnisse sind nicht immer schön, aber sie sind einheitlich. In Iran hat man Ṭāhās Schrift digitalisiert und den muṣḥaf nach eigener Orthographie, mit eigenen Pausenzeichen und nicht am Stück zu lesen auf 604 Seiten neu gesetzt. Ab 1999 erscheinen in Medina von ʿUṯmān Ṭāhā geschriebene Ausgaben von Warš, Ḥafṣ, Qālūn, ad-Dūrī, Abū Bakr Šuʿba und as-Sūsī (und dann Warš und Qālūn noch einmal: jetzt auf 604 Seiten); sie haben kaum Wortabstand und als Stapelligaturen nur bāʾ /tāʾ /ṯāʾ /nūn /yāʾ /mīm /lām vor ḥāʾ /ḫāʾ /ǧīm, die breit genug sind, beide Vokalzeichen ohne Verschiebung nach vorn oder hinten (wie in osma­nischen Manu­skripten üblich) zu tragen. Statt der Ligaturen bāʾ/tāʾ/ṯāʾ/nūn/yāʾ/mīm/fāʾ über mīm, die in UT1 vor allem dort vor​kom­men, wo sie in der König-Fuʾād-Aus­gabe ein­gesetzt waren, steht in UT2 der erste Buchstabe davor (statt darüber). Ebenfalls ver­schwunden sind die ge​chwunge​nen Formen von rāʾ und zai. In Ḥafṣ- und Šuʿba-Aus​gaben werden Verse nie zer​rissen, je​doch weichen die Seiten 532f., 564f., 575f. und 583–600 von UT1 geringfügig ab.
Ich nenne die Ortho­graphie der König-Fuʾād-Ausgabe G24, die des „Zweitdrucks“ Q52. Von 1944 bis 85 dominierte der Šamarlī-Verlag den ägyptischen Markt, heute tut das UT1 von diversen Verlagen. 18 Überall habe ich Muslime getroffen die über­zeugt sind, dass nur diese Fassung – dass es UT-Varianten gibt, ist ihnen meist nicht klar – die wahre sei, Gabriel habe dem Pro­pheten genau diese Fas­sung in seinem Todes­jahr gelehrt. Studierte, die wissen, dass der Prophet „ummī“ genannt wird, wissen oft auch, dass das nicht „An­alpha­bet“ bedeutet. Der alte Glaube, dass Gabri­el jedes Jahr den Propheten das bis dahin Ge­offen­barte in sieben Lesarten habe aufsagen lassen, im letzten Jahr aber Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim drei Mal, wird um die schrift­liche Form (604 Seiten ʿUṯmān Ṭāhā mit den Zusatz­zeichen von Q52) erweitert. Außer der Tatsache, dass man diese Ausgabe immer wieder antrifft, bezaubert viele der Name, den das KFK UT2 gegeben hat: muṣḥaf al-medīna al-munauwara.
Wegen des Prestiges hat der Herrscher von Qaṭar (Ṯānī) einen eigenen Druck her­stellen lassen: etwas kalli­graphischer d.h. tradi­tioneller als UT1 auf 604 Seiten in der Schreibung Q52 weit­gehend mit den Pausen von G24. Der rasm weicht an einer Stelle von der Vorlage ab: Q52 schreibt in 56:2 kāḏiba mit regulärem Alif, Qaṭar wie Mag mit Klein­alif. Eine Erklä­rung wird nicht ge­geben, da aber Tayyar Altı­kulaç, Leiter des tür​kischen ISAM, als Berater prominent genannt wird und dieser 1428/2007 einen ʿUṯmān zuge­schrie­benen, muṣḥaf aus dem Top­kapı Serail in Fak​simile und gesetzt heraus­gegeben hat, der in 56:2 ein Ersatz​alif hat, vermute ich, dass man sich hier, ganz wie euro​päische Gelehrte, an der alten Hand­schrift orientiert. Während der Kämpfe im ʿIrāq und Syrien legten das syrische Stif­tungs​ministerium und die šiʿitische Kafīl-Stiftung (Kerbala) Pracht­korane vor. 2015 folgte Dīwān al-Wafq as-Sunnī fi’l ʿIrāq t einem UT1, später Dīwān al-Wafq aš-šīʿī mit von Hādī ad-Darāǧī auf 604 Seiten geschrie­benen.
wie gekernt wird:
wie ählich ʿUṯmān Ṭaha und KFA sind:
und in UT0/UT1
Da es in den 1970/80ern viele Offset-Drucker gab und das Heraus­bringen von Gottes Wort verdienst­voll ist, gab es dutzende neuer Ausgaben, oft mit 14 oder 15 Zeilen pro Seite. 1976 erschien ein Muṣḥaf al-Azhar aš-Šarīf mit 15 Zeilen auf 525 Seiten in diver­sen Größen mit noch weniger Liga­turen als in der König-Fuʾād-Ausgabe; in Palästi­na war es die best­verkaufte Ausgabe; erst UT1 (s.u.) enttrohnte sie. Ab 1973 ließ al-Qaḏḏāfīs Islamic Call Society von Dār al-Kitāb al-Lubnānī den 1938 in Hyderabad neu gesetzten Text von G24 zusammen mit M.Pick­thalls Übersetzung (kurz darauf auch mit der Über­setzung von Masson die 1938er zwei­bändige Hyder­abad-Ausgabe von mit dem Text von G24 in einem Band auf Bibeldruckpapier nachdrucken. mit G24 zeilenidentisch in einer der Schrift von Ǧaʿfar Bey abge­schauten Mono­type nach­drucken. Damals war in Hyder­abad der Text inklusive rukūʿ-Angaben und kor­rigiertem ʾallāh statt allah, wie wenigen Ände­rungen bei Breit­formen (nūn, kāf, sīn) und geschwungen Formen (mīm, rāʾ, zai) neu gesetzt worden. Anders als in Gizeh wurden Kasra-Zeichen nicht höher gehoben als der tiefe Schwanz von م, ح, und ع. Nach diesem Muster wurde auch D. Massons Übersetzung in Tripoli verlegt und in Bairut gedruckt. Eine arabische Ausgabe der Islamic Call Society (Beirut 1987) ist dagegen ein Nach­druck der Kairiner Ausgabe.
1977 wiederholte sich Geschichte. So wie al-Ḥaddād eine osmanische Vorlage in neuer Ortho­graphie nach­geschrieben hatte, so hat der syrische Kalligraph ʿUṯmān Ṭāhā einen 604seitigen osmanischen muṣḥaf seitentreu (meist zeilentreu) in Ortho­gra­phie und Stil der 1952er Amīrīya-Ausgabe kopiert; jeder Vers endet auf der Seite, auf der er beginnt, und die ersten 29 Teile nehmen je 20 Seiten ein;15 13 die Schrift ist einfach und grund­linien­orien­tiert. Obwohl dieser muṣḥaf kleine Fehler 16 14 aufweist, bekam er in Syrien, Jordanien, Ägypten, Saudi-Arabien und Irān Richtigkeitserklärungen. Mehrere Damaszener Verlage druckten ihn mitsamt der Fehler nach; der Istan­buler Verlag Çağri bringt ihn zusam­men mit diversen Übersetzungen immer noch heraus – ich nenne sie UT0. 1983/4 erscheint er mit nur noch vier Fehlern in Tehran, ein Jahr später in Medina mit éinem der Fehler, ab der dritten Auflage fehler­frei: UT1. Diese wird in tausend Ge­stalten her­gestellt. Den Text der ersten zwei Seiten gibt es als Kreis, Raute und Quadrat, ansonsten sind Überschriften17, 15 Basmala, Bordüre, Rosetten für hizb, Hälfte, Viertel, Achtel, sowie Kustoden und Hinweise über rukūʿ am Rande, Titel­bild, Nachwort und Einband – all die Teile, die nicht zur Offen­barung gehören – unter­schied­lich. Ferner gibt es Umgestal­tungen, wovon die Einfärbungen zur Kenn­zeichnung der Aus­sprache am bekanntes­ten sind. Dazu kommen Ver­änderungen, um andere Lesungen darzustellen. So entstehen seiten­identische Ausgaben von Warš (sowohl nach al-ʾAzraq, wie ʾIṣbahānī), Qālūn, ad-Dūrī, Abū Bakr Šuʿba, as-Sūsī, Ḫalaf und Ḫallād; Ibn Kaṯīr, Kisāʾī und Ibn ʿĀmir jeweils mit beiden aner­kannten Übermittlern in einem Band – manche halten dabei die kufische Zählung des Originals bei, andere folgen etwa bei Warš einer medinensischen Zählung. Diese Umgestaltungen erfolgen in Bild­be­arbeitungs­programmen; es werden die Druck­vorlagen Seite für Seite nach den jeweiligen Regeln bearbeitet – die Ergebnisse sind nicht immer schön, aber sie sind einheitlich. In Iran hat man Ṭāhās Schrift digitali­siert und den muṣḥaf nach eigener Orthographie, mit eigenen Pausen­zeichen und nicht am Stück zu lesen auf 604 Seiten neu gesetzt. Ab 1999 erscheinen in Medina von ʿUṯmān Ṭāhā geschriebene Ausgaben von Warš, Ḥafṣ, Qālūn, ad-Dūrī, Abū Bakr Šuʿba und as-Sūsī (und dann Warš und Qālūn noch einmal: jetzt auf 604 Seiten); sie haben kaum Wort­abstand und als Stapel­ligaturen nur bāʾ /tāʾ /ṯāʾ /nūn /yāʾ /mīm /lām vor ḥāʾ /ḫāʾ /ǧīm, die breit genug sind, beide Vokalzeichen ohne Ver­schiebung nach vorn oder hinten (wie in osmanischen Manu­skripten üblich) zu tragen. Statt der Ligaturen bāʾ/tāʾ/ṯāʾ/nūn/yāʾ/mīm/fāʾ über mīm, die in UT1 vor allem dort vor­kommen, wo sie in der König-Fuʾād-Aus­gabe eingesetzt waren, steht in UT2 der erste Buchstabe davor (statt dar­über). Eben­falls ver­schwunden sind die geschwungenen Formen von rāʾ und zai. In Ḥafṣ- und Šuʿba-Ausgaben werden Verse nie zerrissen, jedoch weichen die Seiten 532f., 564f., 575f. und 583–600 von UT1 geringfügig ab.
Ich nenne die Orthographie der König-Fuʾād-Aus­gabe G24, die des „Zweitdrucks“ Q52. Von 1944 bis 85 dominierte der Šamarlī-Verlag den ägyptischen Markt, heute tut das UT1 von diversen Verlagen. 18 Über­all habe ich Muslime getroffen die über­zeugt sind, dass nur diese Fassung – dass es UT-Varianten gibt, ist ihnen meist nicht klar – die wahre sei, Gabriel habe dem Propheten genau diese Fassung in seinem Todesjahr gelehrt. Studierte, die wissen, dass der Prophet „ummī“ genannt wird, wissen oft auch, dass das nicht „Analphabet“ bedeutet. Der alte Glaube, dass Gabriel jedes Jahr den Propheten das bis dahin Geoffenbarte in sieben Lesarten habe aufsagen lassen, im letzten Jahr aber Ḥafṣ ʿan ʿĀṣim drei Mal, wird um die schriftliche Form (604 Seiten ʿUṯmān Ṭāhā mit den Zusatzzeichen von Q52) erweitert. Außer der Tatsache, dass man diese Ausgabe immer wieder antrifft, bezaubert viele der Name, den das KFK UT2 gegeben hat: muṣḥaf al-medīna al-munauwara.
Wegen des Prestiges hat der Herrscher von Qaṭar (Ṯānī) einen eigenen Druck herstellen lassen: etwas kalligraphischer d.h. traditioneller als UT1 auf 604 Seiten in der Schreibung Q52 weitgehend mit den Pausen von G24. Der rasm weicht an einer Stelle von der Vorlage ab: Q52 schreibt in 56:2 kāḏiba mit regulärem Alif, Qaṭar wie Mag mit Kleinalif. Eine Erklärung wird nicht gegeben, da aber Tayyar Altıkulaç, Leiter des türkischen ISAM, als Berater prominent genannt wird und dieser 1428/2007 einen ʿUṯmān zugeschriebenen, muṣḥaf aus dem Topkapı Serail in Faksimile und gesetzt herausgegeben hat, der in 56:2 ein Ersatzalif hat, vermute ich, dass man sich hier, ganz wie europäische Gelehrte, an der alten Handschrift orientiert. Während der Kämpfe im ʿIrāq und Syrien legten das syrische Stiftungsministerium und die šiʿitische Kafīl-Stiftung (Kerbala) Pracht­korane vor. 2015 folgte Dīwān al-Wafq as-Sunnī fi’l ʿIrāq t einem UT1, später Dīwān al-Wafq aš-šīʿī mit von Hādī ad-Darāǧī auf 604 Seiten geschrie­benen.










Noten

Die Bandbreite liegt nicht an Meinungs­schwäche, sondern an der ver­wickel­ten Lage. Man könnte je für die Recht­schrei­bung, die Vers­zählung, die litur­gi­schen Abschnitte (in 2, 3. 4, 5, 7, 11, 21, 61, 121, 241, 481 540, 558 Teile – durchaus leicht ab­weichende!), die Mar­kie­rung der Stellen, an denen man sich nieder­wer­fen soll, die Stellen, die man (etwa mit „ʾāmīn“) bekräftigen soll, die Pausen­zeichen, deren Platzie­rung, Zeilen je Seite, ob Verse seiten­über­greifend sein dürfen, ob und wie Themen­wechsel an­gezeigt werden (rukūʿ im Osten, far­bi­ger Hinter­grund im Westen), Exis­tenz von Kustoden (auf Verso oder Recto), die Namen der Suren, beim Suren­titel ange­gebene Ab­folge der Offen­barungen sowie Vers­anzahl, ob para bzw. ǧuzʾ jeweils auf einer neuen Seite be­ginnen, den Schreib­duktus usw. eigene Stan­dards de­finieren und durch deren Mul­ti­pli­kation auf über Tausend kommen. Indische Aus­gaben haben meist Rand­noten (z.B. ob eine Pausen von Gott, dem Pro­phe­ten oder Gelehr­ten stammt) und in irani­schen war bis zur Revo­lution jede Seite mit einem Vorzeichen versehen (man schlug das Buch blind auf und bekam die Ant­wort auf eine im Geist gestellte Frage). Ich kon­zentriere mich auf die Recht­schrei­bung. Hier mache ich zwei Grund­schreib­weisen aus – indem ich die neue ägyptische als Variante der maghre­bini­schen auf­fasse und die osmanische, eine persi­sche und eine indo­nesi­sche als Varian­ten der indischen; wenn ich aber Misch- und Lokal­formen, sowie Weiter­entwick­lungen wie die neu-iranische oder brunei­ische mitzähle, komme ich auf zehn.↩︎ zurück


Hartmut Bobzin rechtfertigt das damit, dass „viele Handschriften“ so verführen – was zu beweisen ist! Glaubensbuch und Weltliteratur, Arnsberg 2007, p. 36. ↩︎ zurück


Bergsträßer erwähnt, dass bei عزِيزًا (4:165) der zai-Punkt gefehlt und bei نِكَاحا (24:60) über dem ḥāʾ einer zuviel gestanden habe. 40 Jahre lang pendeln Drucke in 73:20 zwischen الن und ان لن . S. G. Reynolds Behauptung „The text released in 1936 became known as the Fārūq edition in honor of the Egyptian king“ (in „Intro­duction,“ The Qurʾān as Historical Text, 2008) ist unbelegt. Die 1936er Ausgabe bringt gegenüber 1929 nichts Neues und ist Fuʾād I gewidmet. ↩︎ zurück


1952 gab es ein fünfseitiges Nachwort zum „Zweitdruck“: Angaben mit Änderungen bei Schriftzug, Punktierung, Pausen und Surentitel; später nur eine Seite mit dem pauschalen Satz über „mehr als 800“ Änderungen bei den Pausen und zwei Beispielen zum Surenende, die sich daraus ergeben, dass man jetzt die Basmala vor den einzelnen Suren mitliest, was bewirkt, dass tanwīn am Surenende auf -m zu lesen ist (iqlāb vor bāʾ). (Bei dem einen Beispiel, dem Über­gang von Sure 105 zu 106, war 1924 –n an das Anfangs-lām von 106 assimiiert: das lām hatte also ein šadda, 1952 keines, weil seither vor dem lām die Basmala zu lesen ist: –n –m gesprochen wird.) Ferner erfahren wir, dass die Surentitel keine An- gaben zum Offenbarungsort mehr enthalten, weil sie umstritten sind und man sie in der Fach­literatur nachschlagen kann, dass kalimat in 7:137 jetzt mit offenem t geschrieben wird, dass in qāʾimun (13:33) das hamza unter dem yāʾ (statt darüber) steht und ṭāġīn (an allen vier Stellen) mit Ersatzalif geschrieben wird. ↩︎



Michael Marx, „The Koran according to Agfa“ in Trajekte, Okt 2009 – er weiß nicht, dass das ein Hochdruckverfahren ist, die KFA im Flachdruck gedruckt wurde, verwechselt Typendruck mit -satz. ↩︎



Thomas Milo, Arabic Amphibious Characters, Uni­code-Dokument L2/13-226, pp. 510-9; ders. "a model for handling the arabic script" in 27th Inter­na­tiona­li­zation and Unicode Con­ference, Berlin April 2005. pp. 34-7 near, mit klarer Reihen­folge. ↩︎


obwohl auf einer normalen 522seitige Ausgabe beruhend und meist nur zwei (identische) Zeilen auf der Seite stehen, sind die 486 Seiten fast alle berKenar, d.h. in der linken Ecke der Seite endet der Vers = Verse werden nicht auseinander­gerissen. Außer der üblichen auf 604 Seiten, und ihrer Variante, die nur das letzte 30igstel lockerer setzt, auf 611 Seiten, gibt es die Ramaḍan-Ausgabe auf 308, die Qaimiya-Ausgabe auf 221, eine der Aḥmadīya auf 245, gibt es welche im Dār Ibn al-Kaṯīr, Damaskus auf 485 (vom selben Schreiber auch für Dūrī und Warš), sowie auf 551 Seiten. In Tunis wurde eine Ausgabe auf 60 Seiten faksimiliert, also ein hizb je Seite.↩︎


Rot sind Leseangaben, Pausenzeichen, madd munfaṣil (Vokalüberdehnung vor hamz im Anlaut) [madd muttaṣil (Überdehnung vor hamz ím Wort) ist schwarz], sowie Vokalzeichen bei eigentlich mit waṣl beginnenden Wörtern, die wegen obligater Pause davor mit hamz gesprochen werden. Außerdem steht über dem Vers​trenner nach den Sigel​buchstaben der zweiten Sure in rot: kūfī. – Nach den Sigel­buchstaben der Suren 10, 11 und 12 läßt Muṣṭafā Naẓīf Platz für Verstrenner.↩︎


Kurz nachdem sich der Steindruck in Europa durchsetzte, wurden mit diesem Verfahren Korane gedruckt; um 1830 erscheinen welche in Tehran, Täbriz und Schiraz, 1828-32 kommen vier Typen­drucke in Hooghly und Calcutta heraus, 1934 einer in Cawnpore/Kanpur; ab 1835 erscheinen in Nordindien ständig litho­graphische. Ein Typen­druck, den Wilyam Nāsū Līs al-Īrlandī (W.N. Lees), Ḫādim Ḥusain und ʿAbd al-Ḥaiy 1856–59 in Calcutta besorgten, der in vielen Bibliotheken vorhanden ist, findet in der Fachliteratur kaum Beachtung, weil er oft als az-Zamaḫšarīs Kaššāf geführt wird. Über dem Kommen­tar steht ein kompletter qurʾān! ↩︎


15 Gerd-Rüdiger Puin („Ästhetik und Gelehrsamkeit in zwei eigen- tümlichen jemenitischen Büchern: Ein Koran (I) und ein ‚gewebter‘ Text (II)“ in Zwischen Sanaa und Saarbrücken, Saarbrücken: universaar 2012) täuscht sich, wenn er schreibt (p. 146), dass der erste Teil 21 Seiten bean​spruche, denn die Fatīḥa steht außerhalb der drei- ßig Teile. (Deshalb habe ich in Note 1 gesagt, man unterteile in 11, 21, 61, 121, 241 Teile, also 10, 20 usw. plus der Fatiḥa.) Der letzte ǧuzʾ ist in Ṭāhās Vorlage und allen neo-Osm Drucken auf 23 Seiten ver​teilt, wobei die letzte Text​seite die Nummer 604 trägt, wenn die Fatiḥa nicht mit­gezählt wird und 606, wenn das Titel­blatt als Seite 1 gilt. Die indischen berkenar-Ausgaben von Taj, Qudrat­allah und vom König-Fahd-Komplex brauchen für das letzte ǧuz 29 Seiten: die letzte Sure steht auf Seite 611. ↩︎


16 In 2:121 fehlt ein fatḥa, 18:97 steht ein fatḥa anstelle eines sukūn, 69:28 fehlt ein sukūn, 111:4 steht ein lāziM zuviel, und hāḏāni in 20:63 ist so geschrieben wie in 22:19, nach 103:1+2 lāʾ zuviel. 17 Die Titel – siehe Kandil Lamya, „Die Surennamen in der offiziellen Kairiner Koran­ausgabe und ihre Varianten“ in Der Islam 69 (1992) pp. 44–59 –, die Angaben über Offenbarungs­ort, Reihen​folge und Anzahl der Verse sind nicht in allen Ausgaben gleich. ↩︎


18 Betrachtet man die 1952er Recht­schreibung,Pausen, liturgischen Einteilungen, Surentitel, so folgen fast ost-arabischen Ausgaben seit 1985 diesem Standard – mit kleinen Modifikationen.↩︎

Gerd-Rüdiger Puin („Ästhetik und Gelehrsamkeit in zwei eigentümlichen jemenitischen Büchern: Ein Koran (I) und ein ‚gewebter‘ Text (II)“ in Zwischen Sanaa und Saarbrücken, Saarbrücken: univer- saar 2012) täuscht sich, wenn er schreibt (p. 146), dass der erste Teil 21 Seiten beanspruche, denn die Fatīḥa steht außerhalb der dreißig Teile. (Deshalb habe ich in Note 1 gesagt, man unterteile in 11, 21, 61, 121, 241 Teile, also 10, 20 usw. plus der Fatiḥa.) Der letzte ǧuzʾ ist in Ṭāhās Vorlage und allen neo-Osm Drucken auf 23 Sei- ten verteilt, wobei die letzte Textseite die Nummer 604 trägt, wenn die Fatiḥa nicht mitgezählt wird und 606, wenn das Titelblatt als Seite 1 gilt. Die indischen berkenar-Ausgaben von Taj, Qudratallah und vom König-Fahd-Komplex brauchen für das letzte ǧuz 29 Seiten: die letzte Sure steht auf Seite 611. ↩︎ zurück

16 In 2:121 fehlt ein fatḥa, 18:97 steht ein fatḥa anstelle eines sukūn, 69:28 fehlt ein sukūn, 111:4 steht ein lāziM zuviel, und hāḏāni in 20:63 ist so geschrieben wie in 22:19, nach 103:1+2 lāʾ zuviel. ↩︎ zurück

17 Die Titel – siehe Kandil Lamya, „Die Surennamen in der offiziellen Kairiner Koranausgabe und ihre Varianten“ in Der Islam 69 (1992) pp. 44–59 –, die Angaben über Offenbarungsort, Reihenfolge und Anzahl der Verse sind nicht in allen Ausgaben gleich. ↩︎ zurück

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iẓhār nūn ii

وَمَن يَهۡدِ ٱللَّهُ فَمَا لَهُۥ مِن مُّضِلٍّۗ أَلَيۡسَ ٱللَّهُ بِعَزِيزٖ ذِي ٱنتِقَامٖ  ٣٧ وَلَئِن سَأَلۡتَهُم مَّنۡ خَلَقَ ٱلسَّمَٰوَٰتِ...